Würdest du 77 Tage ohne Gehalt arbeiten?

Frauen*Netzwerk

Frauen erhalten für die gleiche Arbeit weniger Gehalt als Männer. Allein diese Tatsache ist bereits ein Skandal. Schaut man sich jedoch die Lohnunterschiede genauer an, gibt es noch mehr Grund zum Erschrecken: Frauen müssen bis heute – zum 17. März – arbeiten, um das zu verdienen, was ihre männlichen Kollegen bereits am 31.12.2019 auf ihren Konten hatten. Ganze 77 Kalendertage erhalten Frauen also rechnerisch kein Gehalt für ihre Arbeit. Der Equal-Pay-Day macht jedes Jahr symbolisch auf diesen Tag der Lohnungleichheit aufmerksam. Mit Aktionen und Demos, die in diesem Jahr wegen der Corona-Gesundheitsprävention ausfallen oder nur digital stattfinden müssen, kämpfen Menschen für Lohngerechtigkeit.

Die Gründe für die schlechter bezahlte Arbeit von Frauen sind vielfältig, aber alle gleichermaßen diskriminierend:

  • Frauen arbeiten häufiger in Bereichen und Berufen, die per se schlechter bezahlt sind. Außerdem arbeiten Frauen häufiger in niedrigeren Positionen.
  • Frauen beenden, unterbrechen oder verkürzen ihre Erwerbstätigkeit häufiger als Männer, um Zeit für die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen zu haben.
  • Anforderungen in den stereotypen „Frauenberufen“, wie Pflege oder Erziehung, werden geringer bewertet als Anforderungen in stereotyp männlichen Berufen, wie in der Technik- oder der Finanzbranche. Dieser wahrgenommene Wertunterschied schlägt sich auch in der Gehaltszahlung nieder.
  • Nachgewiesen wurde außerdem, dass Frauen trotz gleicher Rahmendaten (gleicher Betrieb, gleiches Alter, gleiche Ausbildung, gleicher Beruf) durchschnittlich 12 Prozent weniger Gehalt bekommen als ihre männlichen Kollegen.

Was es jetzt zu tun gibt?

Das Geschlecht eines Menschen bestimmt also auch heute noch den Verdienst, den eine Person für ihre Arbeit erhält. Anhand der oben genannten Gründe wird deutlich: stereotype Rollenbilder, die ungerechte Verteilung von Care-Work und purer Sexismus sind die Ursachen dafür, dass Frauen auch in 2020 noch weniger verdienen als Männer.

Wir fordern deshalb – nicht nur am Equal-Pay-Day: GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT! Wir wollen Rahmenbedingungen, die allen Menschen unabhängig ihres Geschlechts die gleiche Teilhabe an Arbeit ermöglichen. Die Vorstellung von Arbeit muss außerdem endlich Erwerbsarbeit und Care-Arbeit vereinen, damit auch letztere fair entlohnt werden kann! Wir wollen die soziale Absicherung von Reduzierungen der Arbeitszeit aufgrund von Elternzeit oder Angehörigenpflege und das Recht auf die Rückkehr in Vollzeit! Weiterhin sollen durch mehr Entgelttransparenz, die rechtlich bindend sein muss, und einem Gesetz für Lohngerechtigkeit Betriebe besser auf ihre Entgeltpraxis überprüft werden können und Frauen bessere Verhandlungsgrundlagen für Gehaltsgespräche gegeben werden. Außerdem müssen insbesondere soziale Berufe deutlich aufgewertet werden: in ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung und dem finanziellen Verdienst. Als wichtiges Werkzeug der Lohngerechtigkeit fordern wir außerdem, Tarifbindungen flächendeckend auszubauen und rechtlich fest zu verankern. Nur so können wir erreichen, dass Frauen zukünftig dasselbe Gehalt für dieselbe Arbeit bekommen und keinen Kalendertag mehr umsonst arbeiten müssen.

(Quelle: ver.di Frauen- und Gleichstellungspolitik: Equal-Pay-Day)

Keine Kommentare vorhanden

Machen Sie bei der Konversation mit.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.