#LeaveNoOneBehind – Was gerade auf Lesbos abgeht

Innerhalb kürzester Zeit hat das Coronavirus es geschafft, das gesellschaftliche Leben vollkommen erliegen zu lassen. Insbesondere die jüngere Generation hat eine derartige Situation noch nie erlebt. Das Leben jeder und jedes einzelnen wird drastisch eingeschränkt und alle werden vor große Herausforderungen gestellt. Auch in der öffentlichen Berichterstattung findet fast ausschließlich COVID-19 statt. Dabei vor allen Dingen die Situation hier vor Ort.

Es geht jetzt um Solidarität. Aufeinander Rücksicht nehmen ist notwendig, damit sich das Virus nicht zu schnell ausbreitet. Doch gerade jetzt müssen wir auch klarmachen, dass wir uns mit allen Menschen solidarisch zeigen. Unter dem Hashtag #LeaveNoOneBehind wird derzeit auf verschiedene Gruppen hingewiesen, die derzeit nicht die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung finden, die sie benötigen.

Wie Corona alle anderen Probleme verdrängt

Eine dieser Gruppen sind Menschen, die sich derzeit auf der Flucht befinden. Noch kurz vor der Coronakrise war die Situation von Flüchtlingen an der türkisch-griechischen Grenze das alles bestimmende Thema. Doch gelöst hat sich das Problem durch weniger Berichterstattung nicht. Im Gegenteil, Flüchtlinge sind durch COVID-19 besonders gefährdet. Ihre Situation ist hochdramatisch. Hinzu kommen unhaltbare Zustände beispielsweise im Flüchtlingslager Moria. Dort brach vor wenigen Tagen ein Feuer aus, dem ein Kind zum Opfer fiel.

Gerade in diese Situation setzt Deutschland die Flüchtlingsaufnahme aus. Dieser Schritt ist falsch. Solidarität darf nicht an der Grenze aufhören und auf Kosten schwächerer gehen. Asyl ist ein Grundrecht und muss gewährt werden. Dazu bedarf es europäischer Lösungen. Wenn alle Länder anteilig Menschen aufnehmen, ist die Aufgabe für alle leicht zu bewältigen.

Wie geht es in den Flüchtlingslagern weiter?

Derzeit sieht es aber nicht danach aus, dass man sich auf eine europäische Lösung einigt. Der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen scheint der Schutz der EU Außengrenzen wichtiger als der Schutz von Menschen zu sein. Es muss aber eine schnelle Lösung für die Menschen an der griechischen Grenze gefunden werden. Deutschland muss in einer „Koalition der Willigen“ seinen Anteil leisten und Menschen aufnehmen. Viele Kommunen haben sich zu „Sicheren Häfen“ erklärt und damit ihre Bereitschaft ausgedrückt, auch in Schleswig-Holstein.

Ein Satz, den in den vergangenen Monaten und Jahren viele Politiker*innen genutzt haben lautet „2015 darf sich nicht wiederholen.“. Dabei bleibt offen, was konkret gemeint ist. 2015 wurde Menschen, die um ihr Leben geflohen sind, geholfen. Das muss sich immer dann wiederholen, wenn es notwendig ist, denn wir sind eine solidarische Gesellschaft. Gleichzeitig haben wir es 2015 zugelassen, dass der rechte Rand die Debatte bestimmt. Das hat zur Verrohung der Sprache geführt. Diese Entwicklung darf sich nicht wiederholen. Wir müssen umso deutlicher sagen, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, Menschen in Not zu helfen, wenn es andere in Frage stellen.

 

Lennart Wulf

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